KI-Einführung in der Kanzlei: So finden Sie die richtigen Multiplikatoren

- KI-Einführung in der Kanzlei: So finden Sie die richtigen Multiplikatoren
- Warum Multiplikatoren über Erfolg oder Misserfolg entscheiden
- Profil: Was einen guten KI-Multiplikator auszeichnet
- 1. Fachliche Glaubwürdigkeit im Team
- 2. Pragmatische Technikaffinität
- 3. Kommunikationsstärke über Hierarchien hinweg
- 4. Tragfähiges internes Netzwerk
- 5. Ausreichende Kapazität
- In fünf Schritten zu den richtigen Multiplikatoren
- Schritt 1: Stakeholder-Mapping (Woche 1)
- Schritt 2: Einzelgespräche (Woche 2)
- Schritt 3: Pilotgruppe bilden (Woche 3)
- Schritt 4: Befähigung (Wochen 3 bis 5)
- Schritt 5: Sichtbarkeit und Skalierung (ab Woche 6)
- Typische Fehler bei der Auswahl
- Fazit: Ohne Multiplikatoren keine nachhaltige KI-Einführung
- Häufig gestellte Fragen
- Wie viele Multiplikatoren braucht eine mittelgroße Kanzlei? Als Faustregel: mindestens ein aktiver Multiplikator pro zehn Berufsträger. Bei einer Kanzlei mit 30 Anwälten planen Sie also drei bis vier Personen ein, verteilt über unterschiedliche Praxisgruppen und Standorte.
- Sollten Multiplikatoren eine finanzielle Vergütung erhalten? In den meisten Fällen reicht die Anerkennung der Zeit als Arbeitszeit sowie eine sichtbare Nennung in der Kanzleikommunikation. Separate Boni können helfen, sind aber selten entscheidend. Wichtiger ist Entlastung an anderer Stelle.
- Kann die IT-Abteilung die Multiplikatoren-Rolle übernehmen? Nein. IT-Verantwortliche sind wichtige technische Partner, aber keine Multiplikatoren im eigentlichen Sinn. Multiplikatoren müssen den fachlichen Alltag der Berufsträgerinnen und Berufsträger selbst leben, damit ihre Empfehlungen Gewicht haben.
- Wie lange dauert die Multiplikatoren-Rolle typischerweise? Rechnen Sie mit einer intensiven Phase von drei bis sechs Monaten rund um die Einführung und anschließend mit einer Betreuungsphase von weiteren sechs Monaten mit reduziertem Zeitbudget von etwa einer Stunde pro Woche.
- Was, wenn die ausgewählte Person kündigt? Deshalb sollten Sie nie nur eine Person pro Praxisgruppe aufbauen. Ein Zweier- oder Dreier-Team verteilt das Risiko und erzeugt zusätzlich wertvolle interne Diskussion.
KI-Einführung in der Kanzlei: So finden Sie die richtigen Multiplikatoren
Autor: Lexemo Team
Kategorie: Legal Innovation
Veröffentlicht: 15. April 2026
Kernaussagen
- KI-Projekte in Kanzleien scheitern selten an der Technik, sondern an fehlender interner Akzeptanz. Multiplikatoren (auch Change Agents oder AI Champions genannt) sind der Hebel, der diese Lücke schließt.
- Gute Multiplikatoren verbinden drei Eigenschaften: fachliche Glaubwürdigkeit im Team, pragmatische Technikaffinität und ein tragfähiges internes Netzwerk. Hierarchie und IT-Vorkenntnisse sind zweitrangig.
- Mit fünf strukturierten Schritten — Mapping, Gespräche, Pilot, Befähigung, Sichtbarkeit — finden Sie in vier bis sechs Wochen die richtigen Personen.
- Rechnen Sie pro zehn Berufsträger mit mindestens einem aktiven Multiplikator. Unter dieser Schwelle bleibt die Einführung zäh.
- Dieser Leitfaden richtet sich an Managing Partner, Kanzleimanagement und COOs in mittelgroßen Kanzleien ab zehn Berufsträgern.
Warum Multiplikatoren über Erfolg oder Misserfolg entscheiden
Die Einführung von KI in der Kanzlei ist selten ein IT-Projekt. Sie ist ein Veränderungsprojekt mit technischer Komponente. Eine Bitkom-Befragung aus 2024 zeigt, dass 52 Prozent der Unternehmen fehlende Akzeptanz der Mitarbeitenden als größtes Hindernis bei KI-Projekten nennen — noch vor Datenschutz (48 Prozent) und Kosten (42 Prozent).
Multiplikatoren — international auch als Change Agents oder AI Champions bezeichnet — sind Kolleginnen und Kollegen, die neue Werkzeuge nicht nur selbst nutzen, sondern ihr Umfeld mitziehen. Sie übersetzen zwischen Geschäftsführung, Fachabteilung und Anbieter. Für eine Kanzlei mit 30 Berufsträgern heißt das konkret: Statt dass die Kanzleileitung jede Rückfrage zu einem neuen Tool selbst beantwortet, gibt es drei bis vier Ansprechpartner auf Augenhöhe im Team.
Der Unterschied ist messbar. Eine McKinsey-Analyse zu Technologieeinführungen in Professional-Services-Unternehmen kam 2023 zu dem Ergebnis, dass Projekte mit dedizierten internen Champions eine 2,3-fach höhere Erfolgswahrscheinlichkeit haben. In unserer eigenen Arbeit mit Kanzleien im DACH-Raum sehen wir ein ähnliches Muster: Pilotprojekte ohne Multiplikatoren brauchen rund 40 Prozent länger bis zur produktiven Nutzung.
Profil: Was einen guten KI-Multiplikator auszeichnet
Multiplikator wird man nicht durch Titel oder Berufsjahre. Fünf Eigenschaften sind entscheidend.
1. Fachliche Glaubwürdigkeit im Team
Der oder die Multiplikatorin muss inhaltlich ernst genommen werden. Das sind nicht zwangsläufig Partner. In vielen Kanzleien sind es erfahrene Associates, wissenschaftliche Mitarbeitende oder langjährige ReFa-Mitarbeitende, deren Urteil im Team zählt.
2. Pragmatische Technikaffinität
Es geht nicht um Informatikkenntnisse. Es geht darum, neue Tools ohne Berührungsängste auszuprobieren und Schwächen offen zu benennen. Ein guter Indikator: Wer hat in den letzten zwölf Monaten freiwillig eine neue Software im Kanzleialltag eingeführt — sei es ein Diktiertool oder ein Dokumentenmanagement-Feature?
3. Kommunikationsstärke über Hierarchien hinweg
Multiplikatoren müssen mit der Partnerebene genauso sprechen können wie mit dem Sekretariat. Wer auf Partnerversammlungen Beiträge liefert und in der Mittagspause zugänglich bleibt, ist prädestiniert.
4. Tragfähiges internes Netzwerk
Mindestens fünf bis zehn Kolleginnen und Kollegen außerhalb der eigenen Praxisgruppe sollten die Person regelmäßig um Rat fragen. Dieses Netzwerk ist später der Verteilerkanal für KI-Wissen.
5. Ausreichende Kapazität
Der häufigste Killer: Die passende Person ist bereits zu 105 Prozent ausgelastet. Rechnen Sie mit mindestens vier Stunden pro Woche über einen Zeitraum von drei Monaten. Wer diese Zeit nicht freibekommt, kann die Rolle realistisch nicht ausfüllen.
Keine Kriterien: Alter, Partnerstatus, IT-Vorkenntnisse, Seniorität. Eine Studie der Universität St. Gallen aus 2024 zeigte, dass jüngere Associates und erfahrene Mitarbeitende ohne juristische Ausbildung (etwa aus der Buchhaltung) ähnlich effektiv sein können wie Partner — solange die oben genannten Kriterien erfüllt sind.
In fünf Schritten zu den richtigen Multiplikatoren
Der folgende Ablauf hat sich in Kanzleien zwischen 15 und 80 Berufsträgern bewährt. Gesamtdauer: vier bis sechs Wochen.
Schritt 1: Stakeholder-Mapping (Woche 1)
Erstellen Sie eine einfache Liste aller Personen in der Kanzlei, gruppiert nach Praxisgruppe und Funktion. Bewerten Sie für jede Person drei Dimensionen auf einer Skala von 1 bis 3:
- Technikaffinität (aus der Alltagsbeobachtung)
- Internes Netzwerk (Wie oft wird die Person um Rat gefragt?)
- Offenheit für Veränderung (Reaktion auf frühere Neuerungen)
Wer in mindestens zwei Dimensionen eine 3 erreicht, kommt in die engere Auswahl. Ziel: pro zehn Berufsträger mindestens zwei Kandidatinnen oder Kandidaten auf der Shortlist.
Schritt 2: Einzelgespräche (Woche 2)
Führen Sie 30-minütige Gespräche mit allen Personen auf der Shortlist. Drei Fragen reichen:
- Wo sehen Sie in Ihrer täglichen Arbeit wiederkehrende Aufgaben, die Sie gerne automatisieren würden?
- Wenn Sie ein neues Tool testen könnten — unter welchen Bedingungen würden Sie sich darauf einlassen?
- Wen in der Kanzlei würden Sie ebenfalls für dieses Thema vorschlagen?
Die dritte Frage liefert fast immer wertvolle Hinweise auf Personen, die im Stakeholder-Mapping übersehen wurden.
Schritt 3: Pilotgruppe bilden (Woche 3)
Wählen Sie drei bis fünf Personen für einen strukturierten Pilot aus. Eine bewährte Zusammensetzung:
| Rolle | Anzahl | Warum |
|---|---|---|
| Senior Associate | 1-2 | Fachliche Glaubwürdigkeit |
| ReFa oder Paralegal | 1 | Prozesswissen und operative Nähe |
| Junior Associate | 1 | Niedrige Hürden, hohe Lernkurve |
| Kanzleimanagement oder COO | 1 | Brücke zur Geschäftsführung |
Wichtig: Keine reine Partner-Runde. Pilotgruppen ohne operative Rollen scheitern überproportional häufig.
Schritt 4: Befähigung (Wochen 3 bis 5)
Die Pilotgruppe braucht drei Dinge:
- Ein schriftliches Mandat der Kanzleileitung mit klarer Zeitbudgetierung von vier Stunden pro Woche.
- Einen konkreten Anwendungsfall — ein echtes, abgegrenztes Problem, etwa die Erstvorprüfung von NDA-Entwürfen oder die strukturierte Mandatsaufnahme.
- Einen Feedback-Kanal — einen wöchentlichen 30-Minuten-Slot, in dem Probleme und Beobachtungen strukturiert erfasst werden.
Verzichten Sie in dieser Phase auf aufwendige Schulungen. Learning by Doing am konkreten Fall ist effektiver als generische Frontalschulungen.
Schritt 5: Sichtbarkeit und Skalierung (ab Woche 6)
Multiplikatoren wirken nur, wenn ihre Rolle intern bekannt ist. Drei Dinge gehören dazu:
- Offizielle Vorstellung in der nächsten Kanzleiversammlung — inklusive der klaren Ansage, dass KI-Fragen zuerst an die Multiplikatoren und nicht an die Kanzleileitung gehen.
- Erste Erfolgsgeschichte intern teilen: ein konkretes Beispiel, wie die Pilotgruppe eine Stunde Arbeitszeit pro Vorgang gespart hat. Zahlen überzeugen.
- Zweite Welle starten: Jede Person aus der Pilotgruppe identifiziert eine weitere Kollegin oder einen Kollegen, die oder den sie befähigt. So wächst das Netzwerk organisch.
Typische Fehler bei der Auswahl
Aus Gesprächen mit über 30 Kanzleien im DACH-Raum sehen wir immer wieder dieselben Muster:
- Nur Partner auswählen. Partner haben selten ausreichend Zeit und oft wenig operativen Bezug zum Tool-Alltag. Mischen Sie Hierarchien.
- Die technikbegeistertste Person nominieren. Begeisterung ohne internes Netzwerk erzeugt Insellösungen.
- Kapazität nicht freihalten. Wenn die Rolle "on top" vergeben wird, verpufft sie innerhalb von vier Wochen.
- Keine Zielvorgaben setzen. Multiplikatoren brauchen messbare Ziele, etwa: "Fünf Kolleginnen und Kollegen nutzen das Tool bis Ende Q2 produktiv."
- Rolle als Einbahnstraße verstehen. Gute Multiplikatoren geben auch unbequemes Feedback an die Leitung zurück. Wer das nicht hören will, verliert sie schnell.
Fazit: Ohne Multiplikatoren keine nachhaltige KI-Einführung
Die Auswahl der richtigen Multiplikatoren entscheidet in den meisten Kanzleien darüber, ob aus einem KI-Projekt ein echter Produktivitätsgewinn wird — oder ein weiteres Tool, das nach drei Monaten ungenutzt bleibt. Die zentrale Erkenntnis: Akzeptanz entsteht im Team, nicht durch Anordnung von oben. Investieren Sie die vier bis sechs Wochen in die strukturierte Auswahl. Der Return zeigt sich ab dem ersten produktiven Einsatz.
Wenn Sie konkret planen, KI in Ihrer Kanzlei einzuführen, beginnen Sie nicht bei der Toolauswahl, sondern bei den Menschen. Eine Demo von e! by Lexemo zeigt Ihnen, wie die konkrete Arbeit Ihrer Multiplikatoren aussehen kann — mit Fokus auf DSGVO-konformer, in der EU gehosteter KI für den Kanzleialltag.
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Multiplikatoren braucht eine mittelgroße Kanzlei?
Als Faustregel: mindestens ein aktiver Multiplikator pro zehn Berufsträger. Bei einer Kanzlei mit 30 Anwälten planen Sie also drei bis vier Personen ein, verteilt über unterschiedliche Praxisgruppen und Standorte.
Sollten Multiplikatoren eine finanzielle Vergütung erhalten?
In den meisten Fällen reicht die Anerkennung der Zeit als Arbeitszeit sowie eine sichtbare Nennung in der Kanzleikommunikation. Separate Boni können helfen, sind aber selten entscheidend. Wichtiger ist Entlastung an anderer Stelle.
Kann die IT-Abteilung die Multiplikatoren-Rolle übernehmen?
Nein. IT-Verantwortliche sind wichtige technische Partner, aber keine Multiplikatoren im eigentlichen Sinn. Multiplikatoren müssen den fachlichen Alltag der Berufsträgerinnen und Berufsträger selbst leben, damit ihre Empfehlungen Gewicht haben.
Wie lange dauert die Multiplikatoren-Rolle typischerweise?
Rechnen Sie mit einer intensiven Phase von drei bis sechs Monaten rund um die Einführung und anschließend mit einer Betreuungsphase von weiteren sechs Monaten mit reduziertem Zeitbudget von etwa einer Stunde pro Woche.
Was, wenn die ausgewählte Person kündigt?
Deshalb sollten Sie nie nur eine Person pro Praxisgruppe aufbauen. Ein Zweier- oder Dreier-Team verteilt das Risiko und erzeugt zusätzlich wertvolle interne Diskussion.
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